Heiraten trotz Corona

Heiraten trotz Corona

Am Samstag war es soweit – ich dürfte trotz und während der Corona-Zeit im Standesamt Köln eine Hochzeit fotografieren. Ein seltsames Gefühl, zumal ich seit Beginn der Krise Brautpaare nur am Telefon oder per WhatsApp „gesehen“ habe, die ihre Hochzeit verlegen wollten bzw. mussten.
Nun hatte ich aber ein unerschrockenes Paar, was zwar ihre anschließende Feier absagen musste und nur im engsten Familienkreis ein paar schöne Stunden verbringen konnte, dennoch aber heiraten wollte. Auch wenn der offizielle Beginn der Maskenpflicht noch zwei Tage entfernt war, sah man viele Menschen mit Masken. Ich hatte mir ebenfalls vorgenommen, eine Maske im Trauzimmer zu tragen, nicht zuletzt um der Standesbeamtin ein etwas besseres Gefühl zu geben.
Zu Beginn des Lockdowns waren auch Fotografen im Standesamt Köln verboten, diesmal durfte ich als Fotograf auch wieder dabei sein. Dort, wo sonst an einem Samstag große Gruppen vor dem Standesamt warten und die Paare gefühlt im 5 Minuten-Takt den Familienstand ändern, war an diesem Samstag wenig los. Während „mein“ Brautpaar noch warten musste, stand noch ein weiteres Paar, frisch verheiratet vor dem Rathaus.
Die letzten Minuten vor der Eheschließung verbrachten wir draußen und nicht im Wartebereich des Rathauses, wie sonst üblich.
Nun war der große Moment gekommen. Nur das Brautpaar durfte nebst der Trauzeugen ins Rathaus und nach eingehender Musterung durfte auch ich, bewaffnet mit zwei Kameras und damit wohl offiziell als Fotograf anerkannt, ins Trauzimmer. Das Trauzimmer ist nicht groß, es ist riesig. Die anwesenden Familienmitglieder hätten auch mit drei Metern Abstand noch alle locker Platz gefunden. Aber Vorschrift ist Vorschrift und so fotografierte ich einen der wichtigsten Momente im Leben zweier Menschen quasi ohne Publikum. Die Trauzeugin hatten einen Videoanruf zu den ausgeschlossenen Familienmitgliedern vor der Gebäude gestartet, so konnte die Mutter der Braut draußen, nur wenige Meter entfernt, zumindest auf einem Handydisplay den Moment mitverfolgen, in dem ihre Tochter getraut wurde.
So seltsam die Umstände auch waren, so ruhig, fast schon unheimlich ruhig, es im Trauzimmer auch war, durch meine Kamera habe ich jedoch in den entscheidenden Momenten genau das gesehen, was ich immer zu sehen hoffe: Ein Paar, das sich liebt, das von dem Moment überwältigt ist und in diesem kurzen Augenblick alles um sich herum vergisst. Als die Frage gestellt wurde, die mit einem kurzen „Ja“ als Antwort so vieles verändert, stand die Welt für zwei Menschen still, da siegte die Liebe über die Corona-Krise und es war vergessen, dass der Raum ansonsten leer war.
Die Momente nach der Trauung waren wieder, vorsichtig formuliert, ungewöhnlich. Bis auf die Trauzeugen war keine vertraute Person da, die gratulieren konnte und auch draußen standen natürlich viel weniger Menschen, als es die ursprüngliche Planung vorgesehen hatte. Dennoch waren es schöne Momente, die ich fotografieren konnte. Momente der Ruhe, des familiären Beisammenseins und viel freie Fläche für einen spontanen Hochzeitstanz – das habe ich in all den vielen Hochzeiten vorher nicht erleben dürfen.
Das anschließende Brautpaarshooting war wieder etwas anders als sonst. Ich bin es gewohnt, zum erklären einiger Posen nah beim Brautpaar zu stehen, mal den Strauß abzunehmen, ein Sakko zu reichen usw. Diesmal galt das Motto „Abstand halten“ – und deutlich mehr reden, um die ein oder andere Pose zu verdeutlichen. Dennoch durfte ich hier wieder ein glückliches Paar erleben, das mit viel Liebe zueinander und ebenso viel Verständnis für die Situation das Beste aus der Situation gemacht hat.
Was mir diese Erfahrung gezeigt hat? Dass heiraten in der Corona-Zeit anders ist. Es gibt keine großen Spaliere, keine langen Gratulationen, im Trauzimmer keine Emotionen hinter dem Brautpaar, keine Märchenhochzeit mit viel Drumherum. Es gibt aber genauso viel Verbundenheit, Hoffnung, Liebe und vielleicht sogar etwas mehr Ruhe für die wichtigsten Momente. Dennoch wünsche ich uns allen, dass wir diese schwierige Zeit bald überstanden haben, denn zu einer Hochzeit gehört doch auch, von Freunden und Familienmitgliedern in den Arm genommen werden zu können, zu feiern und sein Glück mit vielen Menschen teilen zu dürfen. Vieles ist momentan entschleunigt, das trifft auch auf Hochzeiten zu. Auch wenn das im ersten Moment positiv klingt: Ein entschleunigtes, rauschendes Fest, das gibt es nicht.
Oft fragen mich Paare, was sie jetzt tun sollen. Das kann ich nicht beantworten, ich kann jedoch die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen und Entscheidungshilfen geben. Nun kann ich auch aus Erfahrung sagen, dass eine Hochzeit trotz Corona-Einschränkungen wunderschön, emotional, liebevoll und sehr persönlich sein kann.

In diesem Sinne:
Lebt die Liebe und bleibt gesund!
Euer Fabian von Fotografie Kauer