Ferne Hochzeitsbräuche

Ferne Hochzeitsbräuche

Zu Gast auf einer Khmer Hochzeit

Unsere Goldschmiedin Ilara hatte die Freude zu einer Hochzeit in Cambodia eingeladen zu sein. Ihre Einblicke in eine faszinierend andere Welt wollen wir daher mit euch teilen.

Hochzeitsbräuche und Traditionen kennen wir. Beispielsweise Spiele, Brautstrausswerfen und das weisse Brautkleid sind bei uns bekannt. Doch wie sieht das in anderen Ländern aus?

Ich hatte das Glück auf der Hochzeit einer Freundin in Cambodia dabei zu sein und möchte euch ein wenig davon erzähle.

Es war super heiss, denn die meisten Leute heiraten am Anfang des Jahres wenn der Reis geerntet ist.
Es war super bunt, denn das Zelt vor dem Elternhaus der Freundin war stahlend Pink mit gelb und Gold und ich erinnere mich an mindestens 5 verschiedenfarbige traditionelle Outfits die das Brautpaar an einem Tag getragen hat.
Es war super laut, denn die Musik schallte durch das ganze Dorf und ein paar Moderatoren, welche die Zeremonieen kommentierten und Witze erzählten, wurden ebenfalls so laut verstärkt, dass das ganze Dorf etwas davon hatte.


Bild von Siten NUTH auf Pixabay

Obwohl die Feier über mehrere Tage ging, beschränke ich mich auf zwei Eindrücke die mir besonders gut gefallen haben.

Erstens: Alle Gäste waren eigentlich schon lange anwesend. Die Braut wurde noch geschminkt und geschmückt und als sie aussah wie eine Prinzessin aus einem lokalen Märchen verliessen der Bräutigam, die Trauzeugen und die Gäste des Bräutigams die Feier. Sie gingen ein paar hundert Meter weit weg und das Gefolge der Braut stellte sich am Eingang des Zeltes auf. Mit Musik und von den Moderatoren begleitet tanzten sie alle auf das Zelt zu. Einer der Trauzeugen hielt einen reich verzierten Schirm über den Bräutigam und es sah alles wirklich aus, als würde ein Prinz aus fernen Ländern gerade anreisen, um im Palast um die Hand der Prizessin an zu halten. Erst nachdem alle feierlich begrüsst worden waren, ging man zurück ins Zelt.


Bild von MICHOFF auf Pixabay

2) Wie auch bei uns üblich, nahmen Braut und Bräutigam an einem Ende des Zeltes an einem reich dekorierten Tisch platz. Die Gäste saßen sich in 2 Reihen gegenüber und mittig wurde von den Modereatoren gesungen und gescherzt. Irgendwann wurde dann das traditionelle Haareschneiden begonnen. Eine für uns eher lustige Zeremonie. Alle Gäste stellten sich nach und nach auf und bekamen einen Spiegel, Kamm, Scheere und so eine Art Wassergefäß mit Pinsel überreicht. Man stellte sich dann hinter das Brautpaar und tat so als würde man Ihnen die Haare kämmen, schneiden, frisieren. Danach gibt man Ihnen den Spiegel in dem sie sich brav lächelnd betrachten. Das Wasser- und Pinselensemble enthält parfümiertes Wasser mit dem man das Paar leicht bespritzt. Das machen alle Gäste nacheinander. Es kann also Stunden dauern. Die Geschichte dahinter ist folgende: Das Schneiden der Haare symbolisiert, dass etwas Altes vergeht. Mit dem Haar wird alles Schlechte und Böse vom Brautpaar getrennt, damit nun etwas Neues beginnen kann. Das Parfüm soll symbolisch das Glück darstellen, das sich um das Brautpaar ausbreiten soll. Wenn man es so betrachtet ist es nicht nur lustig, sondern sehr schön. Ich bin stolz, dass auch ich diese wichtige Tradition mitmachen durfte.